Es ist erstaunlich, wieviel Tolleranz und Einvernehmen, fast wie selbstverständlich, der Erzgebirger aufbringt, wenn es darum geht, alte abergläubische Tratitionen mit christlichen Lehren zusammen zu bringen und zu kombinieren. Vieles davon stammt tatsächlich aus der sorbischen/germanischen  (also heidnischen) Vorbesiedlung unserer Gegend. Vieles ist heute nicht mehr bekannt. Einiges aber wird  wirklich noch praktiziert. Wenn wir den Hexenwahn im späten Mittelalter sehen, so muss man sagen, dass die armen heilkundigen Frauen für weniger starben, als wir heute als selbstverständlich ansehen - Tradition eben... na ja Doppelmoral hat es wohl schon immer gegegeben... Das nachfolgende Werk habe ich auf dem Spiegelwald-Turm entdeckt - ich habe nichts verändert, nur teilweise auf heutige Rechtschreibung korrigiert. Die Illustrationen stammen aus einem mittelalterlichen Stundenbuch aus Frankreich. Das Buch schrieb:

Christoph Eberhard Schimon

 

Erzgebirgische Monatsblätter

 

Alte Traditionen und Volksglaube im erzgebirgischen Jahreskreis

 

Januar oder Eismonat

 

Hartung stand für den Januar einst in den Kalendern aber auch Winter- oder Eismond. Diese Namen weisen auf den jetzt herrschenden strengen Winter hin. Kalte Tage und eisige Frostnächte sind typisch für diesen Monat. Die Kälte kehrt meist zu Monatsbeginn zurück und löst das Weihnachtstauwetter ab. „Werden die Tage länger, wird der Winter strenger" prophezeit eine Wetterregel. Nun beherrscht der Erzgebirgswinter das obere Land. „Großes Horn" sagten die Bauern früher zum Januar.

Als erster Monat im Jahr nimmt der Januar eine besondere Stellung bei der Wettervorausschau ein. Man erhoffte sich, vom Wetter dieses Monats Prognosen für das ganze Jahr ableiten zu können. Wenn nach Hohneujahr die Rauhnächte vorüber waren, durften wieder alle Arbeiten verrichtet werden. Der verlorene Montag, nach dem Dreikönigstag, war der Aufräumtag.

 

Der Alltag kehrte zurück, es wurde wieder Brot gebacken, Wäsche gewaschen und auch spinnen und klöppeln durfte man wieder. Die im vergangenen Jahr schadhaft gewordene Arbeitskleidung wird ausgebessert.

Für den Bauern beginnt jetzt schon die Frühjahrsarbeit. Es wird überprüft, was vorbereitet, ersetzt oder bestellt werden muss. Die Männer setzen das bäuerliche Arbeitsgerät wieder in Stand und fällen im Hochwald Bäume für das benötigte Nutz- und Brennholz.

Früher achtete man besonders auf die Schwendtage, die verworfe­nen Tage, die sich durchs ganze Jahr ziehen. An diesen Tagen durfte nichts Neues begonnen, kein Holz geschlagen und nicht verreist werden. Im Januar sind dies der 2., 3., 4. und 18. des Monats.

 

In Ganuar gibts Schnee un Kält,

die manning Leitn net gefällt.

Doch is de Kält zun Gottderbarm -

schadt alles nischt, wenns Herz när warm

 

Der Glückssprung ins Neue Jahr

 

Bevor die Uhr Mitternacht zu schlagen begann und damit den Jahreswechsel einläutete, bereitete man sich einst auf den Glückssprung ins Neue Jahr vor. Dazu musste man auf einen Stuhl oder auch auf den Tisch steigen und beim ersten Glockenschlag herunter springen. Dazu wurden die Worte gesprochen:

 

Grüß dich Gott, du neues Jahr!

Viel Segen, Fried 'und Glück,

das bringst du doch wohl mit!

 

Unterließ einer den Glückssprung, so bedeutete das für ihn Verzicht auf das Glück im nun beginnenden Jahr.

Doch tat man noch mehr, um sich des Glückes in den kommenden zwölf Monaten sicher zu sein. Da wurden zum Beispiel am Neujahrsmorgen die Treppen von unten nach oben gekehrt, und der Kehrricht sorgfältig aufbewahrt.

Wie das neue Jahr anfängt, so geht das Jahr auch weiter, da meinte man. Also musste man rauf achten, dass man kein Kleidungsstück verkehrt anzog, sonst ging es einem das ganze Jahr verkehrt. Zerbrach man am Neujahrstag etwas, so zerbricht man im neuen. Jahr öfter etwas und macht trübe Erfahrungen.Hat man kein Geld bei sich, so wird immer Mangel daran sein, verborgt man etwas, so fehlt das Glück im neuen Jahr, und wer am Neujahrstag Wäsche mangelt, dem mangelt es im ganzen Jahr an Geld. Damit das Geld aber nicht ausgehen sollte, aß man zu Neujahr quellende und runde Speisen, auch süße Speisen waren beliebt, die brachten Wohlergehen.

 

Wie schon zu Sylvester wurden wieder Orakel befragt. Dazu setzte man vier genau bemessene Salzhäufchen auf den Tisch, fiel eins davon zusammen, so befürchtete man, dass in dem entsprechenden Vierteljahr die Lebensmittel teuer werden.

Weit verbreitet war früher die schöne Sitte, dass Kinder ihren Eltern am Neujahrsmorgen einen Kalender überreichten. Anschließend ging es zu Verwandten und Bekannten, dort bekam man für seine Neujahrswünsche ein paar Pfennige in die Hand gedrückt. Gern wurde auch ein Neujahrswunsch unerkannt in ein fremdes Haus gerufen, und ein Mann, der in der Frühe des Neujahrstages um eine milde Gabe bat, galt als Glücksbringer.

 

Am Vormittag kamen die Stadtpfeifer oder die Dorfmusikanten ans Haus und brachten ihre Glückwünsche mit einem Ständchen dar. Dafür erhielten sie ein kleines Geldgeschenk.

Bis um 1840 herum hielt sich der Neujahrsumgang der städtisch Bediensteten. Der Nachwächter, der Kantor, der Kirchner, der Marktmeister, der Röhrmeister, die Ratsdiener und die Gerichts­diener durften von Haus zu Haus gehen und den ihnen zustehenden Jahresbeitrag einsammeln. Der unterschied sich zwischen den Hausbesitzern mit einem Groschen, Häusler zahlten 6 Pfennig, und für Hausgenossen war es nicht verbindlich etwas zu geben.

Der Umgang der ebenfalls berechtigten Schornsteinfegergesellen hielt sich noch einige Jahre länger.

Manchmal gingen die Frauen und die Kinder mit, die sangen dann vor den Türen der Ortsbewohner. In einem mitgeführten Tragkorb wurden die ihnen zugedachten Gaben heimgebracht.

Auch die Kinder zogen einst durch die Dörfer und übers Land und unterbrachen die Winterstille mit dem „Neujahranschreien". Ausgerüstet mit Sprüchen und Säcken sangen sie vor den Türen der gut stehenden Bauern und Honoratioren:

 

Glückseligs neu 's Jahr,

's Christkind im krausen Haar,

a langes Lebn, a gutes Lebn,

'n Himmel danebn!

 

Februar oder Taumonat

 

Auch Hornung oder Hungermond wurde der Februar früher genannt. Der Winter hat nun seinen Höhepunkt überschritten, die Tage sind schon spürbar länger. Hungermond weist darauf hin, dass in mageren Erntejahren, wegen der kappen Vorräte, in dieser Zeit oft bei Mensch und Tier der Hunger herrschte: Oft tritt in diesem Monat Tauwetter ein, welches aber in den Gebirgslagen oft nur von kurzer Dauer ist. Der Februar war für den Bauern das "Kleine Horn".

Dem ursprünglich nur zehn Monate umfassenden römischen Kalender fügte man vor mehr als 600 Jahren vor unserer Zeit­rechnung noch den elften und zwölften Monat hinzu, den Januar und den Februar, der auch als Ausgleich für fehlende Tage herhalten musste, und dem heute immer noch die Schalttage angehängt werden. Martius (März) war der erste Monat, bis im Jahr 153 v. Chr. der Jahresbeginn auf den 1. Januar gelegt wurde.

Die ersten Tage des Februar sollen Auskunft geben, wie lange der erwartete Frühling noch auf sich warten lässt.

 

Gibts an Lichtmeß (2. Feb.) Sonnenschein,

wirds ein spätes Frühjahr sein.“ heißt es, aber auch:

Wenns zu Lichtmeß stürmt und tobt,

der Bauer sich das Wetter lobt!"

 

Nach langjährigen Beobachtungen zeigen die ersten Februartage in der Tat an, ob der Lenz schon grüßen lässt.

Auf den Bauernhöfen zersägte man das im Vormonat aus dem Wald hereingefahrene Holz und hackte es in Scheite. Ein anderer Teil wurde zur Ausbesserung der Geräte verwendet. Die Frauen in den Rockenstuben hatten in den letzten Winterwochen noch genügend Wolle zum Verspinnen. Schwendtage sind der 3., 6., 8., u. 16. des Monats.

 

Dr Feberar brengt olbre Sach,

viel Narretei un groß Gelach.

Doch gibts fei Narrn in ganzen Gahr,

net epper när in Feberar!

 

Den Jahreslohn gab’s zur Lichtmeß

 

Am 2. Februar, zur „Lichtmeß", ist der helle Tag bereits um eine volle Stunde länger. Die Sonne wächst. Ein Volksreim bringt es zum Ausdruck: "Zur Weihnacht um ein Hahnentritt, zu Neujahr um ein Mannesschritt, Dreikönig einen Hirschensprung, zur Lichtmeß eine ganze Stund. "

Im Erzgebirge bedeutet der Lichtmeßtag den entgültigen Abschluss der Weihnachtszeit. Wurden schon viele Weihnachtsfiguren und -dekorationen gleich nach dem 6.Januar, dem Hohneujahr, bis zum nächsten Weihnachtsfest in Schachteln verpackt und weggeräumt, so lässt man aber die „Eck", den Weihnachtsberg, gern noch bis zur Lichtmeß stehen. Auch der letzte Stollen wurde bis dahin aufgehoben, um vom neuen Jahr Nahrungssorgen fernzuhalten.

 

Oftmals wurde der Lichtmeßabend in den Rockenstuben beim Spinnen und Klöppeln gemeinsam begangen. Als letzter Lostag im Weihnachtskreis musste er dabei auch noch einmal zum Bleigießen herhalten.

Der Name Lichtmeß kommt von der katholischen Kirche, die an diesem Tag die Kerzen für das bevorstehende Jahr weihte, es war eine Messe der Lichter. Doch nicht nur für den kirchlichen Gebrauch wurden Kerzen geweiht, sondern auch fürs eigene Haus und man benutzte sie als Schutz gegen Gewitter, Hagel und andere Unwetter. Ein Rest dieser Sitte hat sich noch heute in der Bedeutung des Heilig-Abend-Lichtes erhalten.

 

Wie in vielen anderen Gegenden Deutschlands, war auch im Erzgebirge der Lichtmeßtag einst, vor allem im bäuerlichen Jahr, von Bedeutung. Für den Bauern galt der Tag als Zinstag an die Obrigkeit.

Das Gesinde erhielt seinen Jahreslohn und dazu noch das „Ausgemachte", wie Kleidung und Schuhe. Blieb man das kommende Jahr beim gleichen Bauern im Dienst, wurde neuer Lohn ausgehandelt. Die Knechte und Mägde konnten an diesem Tag ihren Dienst aufsagen oder wurden gekündigt. Bis zum Agathentag, dem 5. Februar, hatten sie Zeit ihre Sachen zu ordnen, um dann mit Sack und Pack auf dem Rücken ihres Weges zu ziehen. Bei ihrem

Abzug sangen sie:

 

Reit is mei Gehr aus,

do zohlt mich mei Harr aus,

do Hamm ich mei Ranzel

un mach mer aa e Tanzel!

 

Vom Bauern selbst wurden jetzt Vorbereitungen für die Feldarbeiten im Frühjahr getroffen. Da mussten die Ackergeräte hergerichtet werden, das Saatkorn wurde gekalkt und eingesackt, und vor allem wurde überprüft, ob noch der halbe Futtervorrat in der Scheune war. Die Bäurin aber räumte nun das Spinnrad fort und schnitt den letzten Christstollen an. Die strenge Winterszeit war nun vorbei. Das hoffte man wenigstens.

Der Tag selbst wurde genau beobachtet. Als wichtiger Lostag war Lichtmeß auch für die Wetterprophezeihung bedeutungsvoll. „Dunkle Lichtmessen bringen reichlich Essen, Lichtmeß helle bringt Mangel zur Stelle“, hieß es dazu, und wer kennt nicht das Sprüchlein:

 

Wenns zurLichtmeß stürmt und schneit,

ist der Frühling nicht mehr weit.

Ist es aber klar und hell,

kommt der Lenz wohl nicht so schnell.

 

März oder Frühlingsmonat

 

Lenzing oder Lenzmonat wurde der März früher genannt. Denn nun beginnt der Lenz, der Frühling. Doch zwei Drittel des März fallen noch in den Winter. Nach dem Kalender beginnt der Frühling zur Tagundnachtgleiche, am 21.des Monats, aber meteorologisch gesehen, gehört der März schon ganz zum herbeigesehnten Frühling. Allerdings hat dieser Monat gerade in unseren Gebirgsbreiten noch allerhand Winterliches zu bieten. Da ist es verständlich, wenn Bauer und Gärtner vor der Frühjahrsbestellung abwägend das Wetter beobachten. Bei frühlingshafter Witterung herrschen oftmals große Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht.

Der März muss zwölf gute Tage haben, heißt es. Er soll sich trocken anlassen. Denn „Lange Schnee, und ein feuchter März ist des Bauern Schmerz."

Nach dem Tauwetter wird mit der Feldarbeit begonnen. Die Saat vom Sommergetreide muss in den Erdboden gebracht werden. Der genaue Zeitpunkt dafür liegt in den einzelnen Jahren recht ver­schieden, und auch die unterschiedlichen Höhenlagen des Gebirges sind dabei mit maßgebend.

Ließ das Tauwetter noch auf sich warten, so wurde weiter das eingelagerte Holz bearbeitet. Dachschindeln wurden gefertigt, Zaunholz zurechtgeschnitten, Schäden am Haus, sowie an Scheune und Ställen waren auszubessern. Die Bewässerungsgräben der Wiesen mussten gesäubert werden.

Schwendtage sind der 13., 14., 15. und 29. März.

 

A Hoffningbrenger is dr März,

wie geder waß, fürsch Menschenherz.

Drum wag mit aller Sorg un Plog –

a geder hot sehn Friehlingstog!

 

Osterwasser und Ostereier

 

In aller Frühe, noch vor dem Tageslicht, öffnete man einst in der Nacht zum Ostersonntag heimlich die Hintertür des Hauses und holte Osterwasser aus dem Bach, der sich durch das Städtchen oder durchs Dorf schlängelte. Diesem Wasser wurden zahlreiche Wunder zugesprochen. So zum Beispiel, dass es viele Krankheiten und Wunden heilt, doch niemals schlecht wird. Außerdem verlieh es neben Gesundheit auch Schönheit. Da wusch man sich das Gesicht am besten gleich an Ort und Stelle damit. Dann ging es mit einem vollen Krug rasch ins Haus zurück. Allerdings durfte man sich beim Osterwasserholen sich nicht umsehen und musste darauf achten, dass man niemandem begegnete. Sehen lassen durfte man sich auch nicht oder gar mit jemandem sprechen, sonst hätte das Wasser seine Heilkraft verloren.

Mancherorts wurden dem Osterwasser noch weitere Eigenschaften nachgesagt. Es hieß, solange Osterwasser im Haus ist, trocknet der Brunnen nicht aus, gießt man es in den Brotteig, wird das Brot vor Schimmel bewahrt, gibt man es Tieren zum Saufen, so würden diese schnell wachsen und gut gedeihen.

Die Langschläfer jedoch, die sich dem Osterwasser versagten, wurden am Ostermorgen mit Birkenreisern aus dem Bett getrieben und bekamen dabei einen symbolischen Schlag mit der Lebensrute.

 

Wenn sich der Frühling mit dem Osterfest nähert, nehmen wir das neu erwachende Leben in der Natur wahr. Felder und Fluren zeigen das erste Grün. Wir wandern hinaus und erfreuen uns an den schon so sehnlichst erwartenden Frühlingsboten. Auch unsere Vorfahren freuten sich auf dieses Ereignis und begrüßten die nun länger und wärmer scheinende Sonne mit ihren Sitten und, Bräuchen, die dieser Jahreszeit entsprachen und ihr zu eigen waren.

 

Die winterharte Erde war jetzt aus ihrem Schlaf erwacht. Die ersten Keime in der Natur, so glaubte man, müssten auch die Fruchtbarkeit der lebenden Wesen beflügeln. Birkenreiser und Wei­denzweige mit Osterkätzchen wurden als Lebensruten geschnitten. Mit einem Schlag dieser Ruten auf das weibliche Vieh und auch auf junge Mädchen, sollte die Fruchtbarkeit auf diese übertragen werden. Heute stellen wir als Überbleibsel dieses früheren Brauches die Weidenkätzchen als Osterreiser in Vasen auf.

 

Am Palmsonntag aß man drei Weidenkätzchen, „Mainzeh" wie man bei uns sagt, um sich das darin regende neue Leben einzuverleiben und um gesund zu bleiben. Mitunter tat das der Hausherr gleich für die ganze Familie.

Zum Gründonnerstag wiederum, musste „Grünes" gegessen werden. Im Garten schon sprießende Kräuter, wie Schnittlauch und Kresse, wurden zusammen mit frisch gelegten Eiern verzehrt. Beliebt waren auch Spinat oder eine Suppe mit Ei und sieben Kräutern. Ganz besonders gern und reichlich wurden die am Gründonnerstag und am Karfreitag gelegten Eier gegessen, denn ihnen wurden beson­dere Kräfte zugeschrieben.

Das heutige Symbol des Osterfestes ist neben dem Osterhasen und dem Osterlamm, vor allem das Osterei. Warum gerade das Ei zu Ostern so verehrt wird, hat mehrere Gründe. Eine Rolle spielt dabei auch hier die erwachende Natur und der damit verbundene höhere Eieranfall in der Frühlingszeit. Das Ei galt ebenso wie der Hase schon früh als Fruchtbarkeitssymbol. Die orthodoxen Christen färbten zu den Osterfesten die Eier rot, es sollte an Christi Blut erinnern.

Schon seit dem Jahr 1630 sollen in deutschen Gebieten Ostereier verschenkt worden sein. Ein gefärbtes Ei galt früher als Glücks­bringer, aber auch als Liebesbote. Die rote Farbe spielte dabei immer eine besondere Rolle. Rot ist die Farbe des Herzblutes, deshalb mussten die Sendboten des Herzens rot sein. Wenn ein junges Mädchen ihrem Liebsten beim Abendbesuch ein rotes Ei gab, dann konnte es damit rechnen, dass ihre Liebe erwidert wurde und er ihr die Treue hielt.

Im Laufe der Jahre wurden die Eier immer bunter und sind inzwischen ein fester Bestandteil österlicher Gaben und der damit verbundene

Bräuche geworden, bei denen es oft, wie gerade beim Ostereiersuchen recht lustig zugeht.

 

April oder Ostermond

 

Neben Ostermond wurde der April früher auch Keimmond genannt, denn jetzt keimte die Saat, die der Bauer im März auf den Feldern ausgesät hatte.

Das erste allgemeine Konzil von Nikaia legte im Jahr 325 fest, dass Ostern immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert wird. Dieser Tag kann deshalb frühestens am 22. März und spätestens am 25. April liegen. Der früheste Termin ergibt .sich jedoch erst wieder im Jahre 2285. Das heute christliche Fest erhielt seinen Namen schon in heidnischer Zeit von der germanischen Frühlingsgöttin Ostara.

 

Das Aprilwetter ist für seine Launen und Unbeständigkeit berühmt. „April, April, der weiß nicht, was er will! heißt es, und das charakterisiert seine Launenhaftigkeit. Schon erwärmte Luftschich­ten werden oftmals von Kaltluftströmen aus dem Norden beeinflusst und treiben den erwarteten warmen Lenz zurück. Gefürchtet sind dabei besonders die Nachtfröste, während Regen und Schnee gelassen betrachtet werden. „Aprilschnee ist besser als Schafsmist', sagen die Gebirgsbauern.

 

Bei günstigem Wetter gehen die Feldarbeiten nun voran. Äcker und Wiesen werden gedüngt, und bei feuchtem Wetter wird der Stalldünger in den Boden eingeeggt. Man sät das noch ausste­hende Getreide aus und legt Kartoffeln. Die Grasstücke werden gewässert. Bei den witterungsabhängigen Feldarbeiten müssen die Frauen in den bäuerlichen Familienbetrieben ihren Männern tüchtig zur Hand gehen. Hat man einen kleinen Garten am Haus, werden dort gegen Monatsende Sommerblumen, Gemüsesorten und Kräuter ausgesät.

Nur der 19. ist im April ein Schwendtag.

 

A bieser Monat is April

dar waß net eitel,. was ar will;

ar heilt un lacht un lacht un heilt –

när gut, doß dar net ewig weilt!

 

Walpurgisbräuche bannen die Hexen

 

Die Namenspatronin dieses Tages ist die heilige Walpurga. Sie soll im 8. Jahrhundert den Menschen Schutz vor Hexen und Zauberei geboten haben. Doch war der letzte Aprilabend einst ein heidnischer Feiertag. So ist der „Hexenabend", aus einem altheidnischen Frühlingsfest hervor gegangen. Von den Kelten als „Beltane" bezeichnet, gehörte die Nacht vor dem ersten Mai einst zu den höchsten Feiertagen dieses Volksstammes.

Im Erzgebirge werden, wie auch in anderen deutschen Regionen zu Walpurgis, dem „Walperohmd", am 30. April noch heute auf den Gebirgshöhen die Hexenfeuer entfacht. Von den Dörfern und Gebirgsstädten aus sieht man auf den umliegenden Bergen helle Flammen auflodern. Diese Walpurgisfeuer sind die Reste einstiger Schutzvorkehrungen gegen die gefährlichen Umtriebe der Hexen in dieser Nacht.

Nach altem Volksglauben treiben in dieser Nacht die Hexen ihr Unwesen. Sie treffen sich auf dem Blocksberg und schwärmen von dort auf ihren Besen unheilvoll ins ganze Land. Um sich vor ihren schädigenden und bösen Einflüssen zu schützen, traf man um Haus und Hof, Vieh und Stall allerlei Vorkehrungen. So achtete die Bauersfrau streng darauf, dass alle Tiere vor sechs Uhr im Stall waren und vor Sonnenuntergang ihr Futter erhielten, denn Licht im Stall hätte die Hexen und bösen Geister angelockt.

An die Stalltüren wurden vom Bauern drei Kreuze gemalt. Vor die Tür aber wurde ein alter Besen oder die Stallgeräte mit ihren Spitzen und scharfen Kanten nach oben gelegt, daran sollten die Hexen hängen bleiben und Schaden nehmen. Die Tiere selbst bekamen rote Bänder um den Hals und neunerlei Kräuter oder später auch Bockauer Kräuterpulver unters Futter gemischt. Auch einen Abguss vom Heidekraut schüttete man mit hinein..

Nach Sonnenuntergang wurde auf dem Bauernhof nichts mehr verkauft, „sonst wird die Milch sauer und der Segen schwindet", hieß es. Wurde es dennoch versehentlich getan, so schüttete man Salz in die Milch oder warf dem Käufer Salz nach, um alle üblen Folgen zu verhindern.

Wollte die Bauersfrau an diesem Tag buttern, so schlug sie vorher drei Kreuze übers Butterfass. Der Rahmtopf musste am Walpurgis­abend leer sein, um die Hexen nicht anzulocken.

Gab eine Kuh nach diesem Abend keine Milch mehr, so war sie trotz aller vorsorglichen Zaubermittel behext worden. Da hatte wahrscheinlich eine Hexe drei Strohalme unter die Stallschwelle gelegt.

Hatte der Bauer trotz aller Vorkehrungen Unglück mit dem Vieh, so trug er einen Eimer Dünger vom kranken Tier zum Bach. Dabei durfte er nicht sprechen und vor allem kein altes Weib grüßen. Vor Hexen wollte man sich mit Feuer schützen, denn soweit es leuchtet, haben diese dann keine Macht. Dazu sammelte man neben unbrauchbar gewordenem Holz, das ganze Jahr über auch die alten Reisigbesen. Die wurden am Walpurgisabend mit Teer bestrichen und angebrannt. Schlug man damit ein Rad, so gewann man Macht über die Hexen und verwehrte ihnen das Eindringen ins Haus, durch die Türen und Fenster. Auch durch Quirlen im Ofen­topf sollte ihnen Angst gemacht werden. Sogar der Düngerhaufen mußte am Walpurgisabend vor Hexen geschützt werden.

Doch zum eigenen Schutz war noch mehr geboten. Erstens musste man vom Walpurgisbesen drei Ruten unter die Haustürschwelle schieben, zweitens an alle Fensterläden drei Kreuze malen und drittens an sämtliche Türen die Anfangsbuchstaben der heiligen drei Könige in Verbindung mit drei Kreuzen schreiben (M+C+B+).

Mancherorts zog man mit brennenden Fackeln über Felder und Wiesen, um deren Ertrag zu sichern, auch schlugen Bauern mit Dreschflegel auf ihre Felder.

In unserer Zeit weiß ein Jeder, dass Hexen, die von schwarzen Vögeln begleitet, auf einem Besen durch die Nacht reiten, niemals existiert haben. Sie waren die Erfindung einer, von machtsüchtigen Männern beherrschten mittelalterlichen Welt. Missliebigen Frauen wurden zahlreiche negative Eigenschaften nachgesagt und sie so als Hexen verschrieen. Man behauptete sie könnten zaubern, andere Menschen in ihre Gewalt bringen und diese sogar über große Entfernungen hinweg vernichten. In der Walpurgisnacht würden sie wilde Orgien feiern.

Damit wurde der Hexenverfolgung der Weg geebnet. Um die Hexen zu beseitigen, mussten sie verbrannt werden, damit keine Spur von ihnen übrig blieb. So loderten die Hexenfeuer jahrhundertelang und forderten dabei tausende unschuldige Opfer.

Die heute zu Walpurgis entfachten, beliebten „Hexenfeuer" sind, im Vergleich zu den Hexenverbrennungen vergangener Jahrhunderte, harmlose Vergnügen der jungen Leute.

Vielerorts war es einst üblich, diesen Abend fröhlich zu begehen und in den Mai hineinzutanzen. Die Wahl einer Maikönigin bildete dabei oftmals den Höhepunkt. Der alte Brauch des Maitanzes im Freien symbolisiert, dass der Winter nun seine Kraft verloren hat und die Natur sich in saftiges Grün kleidet.

„Auf Walpurgis fährt der Saft in die Birken", heißt es dazu.

 

Nach der Walpurgisnacht ging es am ersten Mai frühmorgens in die Mailuft. Man zog schon zeitig los, und war an den folgenden Maisonntagen das Wetter schön, ging es wieder hinaus in den Frühling. „Alles neu macht der Mai', sagt ein Spruch. Auch die Gesundheit soll erneuert werden, und die Ausflüge im Wonne­monat sollten dazu dienlich sein. So wurden dabei Maiblumen (Löwenzahn) gepflückt. Daheim wurden die Blütenblätter mit Butter verrührt, denn so galten sie als besonders heilkräftig, wenn damit schmerzende Glieder eingerieben wurden.

Um seine Gesundheit zu fördern, lief man barfuß durchs Gras, wenn der Boden nicht mehr zu kalt war. Wer aber schön werden wollte, musste sich mit dem Maitau das Gesicht gleich an Ort und Stelle waschen.

War bei den Weiden und Ebereschen schon der Saft in die Rinde gezogen, wurden Ruten geschnitten, um Pfeifchen daraus zu fertigen. Dabei sagte man Verschen auf, wie:

 

Hohle, hohle Weide,

gab mer Saft un Seide,

breng mer Saft un Haberstruh,

do sei alle Leit recht fruh!"

 

Da konnte man dann bei seinen Ausflügen durch Wald und Flur, aus allen Richtungen das Pfeifen und Trillern, als Wechselspiel mit den Singvögeln hören.

Der erste Mai wurde schon in vorchristlicher Zeit als Festtag begangen. Man feierte den Frühlingsbeginn.

Eine bedeutende Rolle spielt im Frühlingsbrauchtum der Maibaum als Symbol des Lebens, welches Fruchtbarkeit und Segen verbürgt. Aufgestellte Maibäume sind nach alten Berichten schon seit dem 13.Jahrhundert bekannt. Der Baum stellt die Lebensrute dar. Man tanzte um den „grünen Stecken" und sah ihn als Sinnbild der Lebenserneuerung an. Allen Verboten zum Trotz konnte er weder durch "Prügelstraff noch Gefängniß“ abgeschafft werden. Heute sehen wir ihn, mehr oder weniger üppig ausgeschmückt, auf jedem Markt- oder Dorfplatz stehen.

 

 

Was im Mai vom Bauern gefürchtet wird, sind die Eisheiligen.

Die erste Liebe und der Mai

gehe meist nicht ohne Frost vorbei,

prophezeit man.

Schon aufgegangene Saaten können an diesen Tagen durch einen starken Kälteeinbruch zerstört werden. Und von der nachfolgenden kalten Sophie, am 15. des Monats, heißt es:

Vor Nachtfrost sicher bist du nicht,

bevor Sophie vorüber ist.

 

So wünschen sich die Landwirte einen feuchten und kühlen Mai, aber zu den Eisheiligen keine allzu große Kälte, um gute Aussicht auf eine reichhaltige Ernte zu haben.

Wollte jemand sich und seiner Familie in der Maienzeit mal etwas Besonderes gönnen, fuhr man im geschmückten Birkenwagen mit Musik und Gesang in den Frühling, auch noch in unserer Zeit ein empfehlenswertes Vergnügen.

 

Mai oder Wonnemonat

 

Der Mai trägt den Namen der Frühlingsgöttin Maya, die man bis in das 16. Jahrhundert mit frischem Grün, als Zeichen der Fruchtbar­keit, verehrte. Auch Wonne- oder Weidemonat nannte man den Mai. Mit dem „Maien", dem jungen Grün, begrüßt man den ersten Tag dieses Monats bis in unsere Zeit.

Durch ihre zunehmende Wärme belebt nun die Sonne unsere Erde. Überall in der Natur sprießt und blüht es. Von Tag zu Tag wird es wärmer, der Sommer wird erwartet. In der lange herbeigesehnten Maienzeit ist aber auch immer mit kalten Tagen zu rechnen. Dafür macht man die Eisheiligen verantwortlich. Mamertus (11.), Pankratius (12.), Servatius (13.) und auch die Kalte Sophie (15.) bringen oft einen Temperaturrückschlag, der von den Bauern gefürchtet wird. Schon aufgegangene Saat kann durch starke Kälte vernichtet werden.

Um gute Ernteaussichten zu haben, wünscht sich der Bauer den Mai nicht allzu kühl, aber feucht. „Ein kühler Mai wird hochgeacht, hat stets ein fruchtbar Jahr gebracht". Das Pflanzenwachstum hat jetzt den Hauptwasserbedarf.

Nach den Kartoffeln werden nun die Runkelrüben und Krautpflanzen gesetzt. In der zweiten Monatshälfte werden die frostempfindlichen Pflanzen gesät. Die Felder müssen vom schon herauswuchernden Unkraut gesäubert werden. Das ist die Aufgabe der Frauen. Die Männer setzen die Feldwege für die zu erwartende Ernteeinfuhr instand. Das Weidevieh wird wieder ausgetrieben. Auch im Bauern­garten häufen sich nach den Eisheiligen die anfallenden Arbeiten.

Schwendtage sind der 3., 10., 22. und 25. Mai.

 

Nu farbt dr Wald sich wieder grü,

de Vögele, die singe schie.

Du Menschenkind, dich lockt dr Mai –

nu bie gescheit un folg ne fei!

 

Gewitter zur Himmelfahrt und Laubtanz zu Pfingsten

 

An den Decken vieler Kirchen befand sich früher das „Heilig-Geist­Loch". In einigen älteren Gotteshäusern ist es noch sichtbar. Damit wurde einst am Himmelfahrtstag der versammelten Kirchgemeinde die im Neuen Testament beschriebene Himmelfahrt des auferstandenen Jesus anschaulich vor Augen geführt. Dazu zog man eine hölzerne Christusfigur empor und ließ sie durch diese  Deckenöffnung entschweben. Ebenfalls an Schnüren befestigte Engel begleiteten mancherorts diese Veranschaulichung. Dabei beobachtete man ganz genau, wohin der aus Holz geschnitzte Gottessohn sein Haupt wandte, bevor er den Blicken der versammelten Gemeinde völlig entschwand. War man doch der Meinung, dass seine Blickrichtung angab, woher im Sommer alle schweren Unwetter kommen werden.

Noch heute bringt man den Himmelfahrtstag mit dem Gewitter­aberglauben besonders eng in Verbindung. Wer kennt nicht die weit verbreitete Volksmeinung:

„Zur Himmelfahrt gibts Gewitter!"

An diesem Tag öffnet sich nach frühchristlichen Vorstellungen der Himmel, sodass dadurch eine besondere Gefahr durch Unwetter

besteht.

Möglicherweise bringt man den Himmelfahrtstag auch deshalb mit Gewitter in Verbindung, weil er stets an einem Donnerstag, dem germanischen Donnergott Thor geweihten Tag, begangen wird. Gibt es aber am Himmelfahrtstag Sonnenschein, dann prophezeit uns eine alte Bauernregel:

Scheint an Himmelfahrt die Sonne,

bringt der Herbst uns Freud und Wonne.

 

Zum Mittagsmahl am Himmelfahrtstag gab es früher bei vielen

Leuten hauptsächlich „fliegende Speisen, wie Hühner oder Tauben. Dabei waren besonders die gefüllten Tauben beliebt. Doch auch falsche Tauben wurden aufgetischt, das war mit Brotteig ummanteltes Hackfleisch.

 

Die weit verbreitete Sitte, zum Pfingstfest die Kirchen, die Gasthäuser und auch die Wohnungen mit frischen Maiensträußen und Birkenbäumchen zu schmücken geht auf den germanischen Maibaum zurück, der als Sinnbild des neu erwachenden Lebens in alten Zeiten bei vielen Kulturvölkern in hohem Ansehen stand. Auch dem Mädchen, das man verehrte, stellte man einst Buken vor die Haustür.

Im Erzgebirge wurden zur Zeit der Industriealisierung in der Pfingstwoche auch die Fabriken vor Arbeitsbeginn mit Birkengrün geschmückt. Wer dabei nicht zur Stelle war und nicht mithalf, wurde von seinen Arbeitskollegen mit einem Schiebbock heran­geholt. Da nun aber der Wald und die Natur durch das ungeordnete Schlagen der zahlreichen Birkenbäume in Mitleidenschaft gezogen wurde, untersagte man es zu Beginn des 19. Jahrhunderts amtlicherseits. Doch wer wollte schon auf den Maien verzichten? So holte man sein Birkengrün eben heimlich und unbeobachtet.

Einst wurde in der Pfingstzeit von den jungen Leuten ein Ereignis besonders sehnsüchtig erwartet, der immer an einem Sonntag stattfindende Laubtanz. Dazu wurde der Saal üppig mit Blumen und frischem Grün geschmückt. Die Mädchen spielten an diesem Tag die Herren, sie mussten zum Tanz bitten, der überall um 4 Uhr begann, und auch dafür aufkommen. Die vier Paare, welche als erste tanzten, wurden mit Kränzen geschmückt, die die Mädchen .dann auf dem Kopf und die Burschen über die Brust trugen.

Bis in die zweite Hälfte des 19.Jahrhunderts hinein war dieser Tanz im Gebirge üblich, der so geschildert wird:

 

„Schon einige Tage vorher pflückt man Laub, windet Kränze und Girlanden und schmückt den Saal der Schenke in- und auswendig. Am Nachmittag des Festtages. werden die Mädchen, welche Kränze mit Bandschleifen am Arme tragen, aus der elterlichen Wohnung unter Musik geholt, und mit Gejauchze zieht man in den Saal, wo eine wohl besetzte Tafel gerüstet ist. Nachdem die Mädchen ihre Kränze aufgehängt haben, setzt man sich und schmaust vergnügt. Nach dem Essen beginnt der Tanz".

 

Juni oder Brachmond

 

Sommer- oder Rosenmonat stand einst auch in den Kalendern, und sogar als Hundsmonat wurde der Juni bezeichnet. Dabei dachte man wohl an die Hundsrose (Heckenrose), die nun blüht. Der Juni gilt schon lange Zeit als Rosenmonat, denn jetzt steht die Königin der Blumen in voller Blüte. Der mittelalterliche Name Brachmond deutet auf die damalige Dreifelderwirtschaft hin. Das Feld wurde im Wechsel mit Sommer- und Wintergetreide bewirtschaftet, die Bepflanzung im dritten Jahr mit Hackfrüchten nannte man Brache.

Die Sonne hat ihren Höhepunkt im Jahreslauf erreicht. Der astronomische Sommer beginnt am 21. Juni, zur Sommersonnen- wende, die seit Einführung des Christentums am Sankt Johannistag (24.) begangen wird. An diesem Tag war in heidnischer Zeit Mitsommerfest. Bräuche aus dieser Zeit haben sich bis heute erhalten.

 

Der Siebenschläfertag, am 27., ist ein bekannter Lostag. Man deutet das Wetter für sieben Wochen voraus. Doch sollte man als Optimist nicht gleich sieben Wochen Dauerregen erwarten, denn der Hochsommer steht vor der Tür. Allerdings zeigen die Statistiken an, dass die Zahl der Niederschläge in der Folgezeit höher ist, wenn es um den Siebenschläfer herum regnet.

Bei günstigem Wetter beginnt im Juni die Heuernte. „Sankt Barnabas (11.) schneidet das Gras“.  Um das Heu trocken unter das Dach zu bringen, werden viele Helfer gebraucht, da musste früher jede Hand der Bauernfamilie mit zugreifen. Ab dem Sankt Veitstag kam das Vieh auf die Weide. Auf den Feldern wurde aufgelaufenes Unkraut entfernt.

Der 17. und der 30. Juni sind Schwendtage.

 

Dr blaue Himmel strahlt un lacht,

dr Garten stieht in Rosenpracht;

ne schönnsten Strauß für Aag un Nos

dann stellt dr Guni dir ins Glos.

 

Johannistag – Sommersonnenwende

 

Zu heidnischer Zeit wurde die Sommersonnenwende als Höhepunkt des Jahreskreises gefeiert. Als nach der Christianisierung der Germanischen Stämme die Kirche die heidnischen Feste abschaffen wollte, scheiterte dieses Vorhaben jedoch. Da legte man den Namenstag Johannes des Täufers auf den 24. Juni und übernahm die alten Bräuche des Sonnwendfestes in Verbindung mit dem christlichen Glauben.

Doch blieb die Johannisnacht im Volksglauben auch weiterhin geheimnisumwittert und sagenumwoben und man glaubte; dass die Dämonen und Hexen los seien und hielt auch weiter an den Abwehrbräuchen fest. Feuer galt zu dieser Zeit als besonders dazu geeignet. Im Laufe der Jahre entwickelten sich aus den einstigen Abwehrfeuern unsere heutigen fröhlichen Johannisfeuer.

Zu „Gehanne", wie der Erzgebirgen zu diesem Tag sagt, ist die Natur in voller Blüte und frischer Saftfülle. Jetzt sammelt man seine heil-. und zauberkräftigen Kräuter, denn dieser Tag gilt als die beste Zeit dafür. Sieben oder neun Sorten müssen es sein. Die alles heilende Johannisblume ist an diesem Tag natürlich mit dabei. Dazu holt man Schafgarbe, Johanniskraut, Kamille, Zinnkraut, Eisenkraut, Stiefmütterchen, Quaneld (Feldthymian) und weitere Wildkräuter. Um die heilenden und schützenden Kräfte zu erhöhen, muss man die Kräuter in der Mittagszeit. zwischen 11 und 12 Uhr sammeln.

Die so genannten Johannishändchen, die handförmigen Wurzel­knollen des gefleckten Knabenkrautes, werden unter tiefstem Schweigen ausgegraben und immer bei sich getragen, um den Liebeszauber wirken zu lassen, aber auch um Glück im Spiel zu haben und vor Krankheiten geschützt zu sein.

Aus den Kräutern bindet man auch Kränze und Sträußchen und hängt sie über den Haustüren auf. Sie sollen gegen Blitz und Feuer schützen, über der Stalltür aber, halten sie Krankheiten und Seuchen vom Vieh fern.

Holunder gilt als gutes Heilmittel gegen viele Krankheiten. Im Hollerbusch haben die guten Geister und Dämonen ihren Sitz,

welche Haus und Hof beschützen. Der Holunder blüht im Juni, und am Johannistag wurde ihm eine besondere Wirkung zugeschrieben. Wer im ganzen Jahr über gesund bleiben und kein Fieber bekommen wollte, verzehrte um 12 Uhr mittags eine in Butter gebackene Holunderblüte unterm Rauchfang der Feueresse. Dort wohnen die Hausgeister. Gleichzeitig verleiht einem das Hollerküchlein die Kraft, den höchsten Sprung über das abendliche Johannesfeuer zu tun. Aber den Ausbackteig dazu, muss man schon mit Weißwein, an Stelle von Milch anrühren.

Die Kinder waren an diesem Tag alle auf Straßen und Wegen anzutreffen. Sie holten sich den Johannispfennig. Über den Weg hielten sie eine Schnur gespannt, an welcher ein oder mehrere Sträußchen Feldblumen hingen. Jeder der vorbei kam, wurde mit den Worten angehalten:

Ich bie klaa un du bist groß,

greif in de Tasch un gab mir wos!

 

Da musste man sich mit einem Pfennig oder einem Zweier loskaufen und bekam dafür ein Sträußchen, das man sich ansteckte.

Junge Burschen warfen Blumen, die an verschiedenen Wegrainen gepflückt waren, von der Straße aus durchs offene Schlafstuben­fenster ihrer Angebeteten. Das bedeutete: gelingt der Wurf beim ersten Mal, so ist im selben Jahr noch Hochzeit. Doch jeder danebengegangene Wurf verschiebt sie um ein weiteres Jahr.

Alte Zeugnisse aus dem 15. Jahrhundert belegen, dass bereits damals Johannisfeuer entzündet wurden. Später wurden diese Feuer vielerorts zur Volksbelustigung, an denen viele Ortsbewohner teilnahmen. Die Holzstöße dazu mussten möglichst groß sein, denn damit wollte man die Segenskraft der Sönne steigern. Junge Leute sprangen durch die Flammen. Sogar Vieh trieb man einst hindurch. Wer seinen Schatz fest an sich binden wollte, setzte gemeinsam mit ihm, Hand in Hand, übers Feuer. Dann war man fest miteinander versprochen und wurde mit Gesundheit und einem langen Leben belohnt.

 

Juli oder Heumond

 

Die Heuernte ist nun in vollem Gange, wem wundert es da, dass dieser Monat Heumond genannt wurde. Auch Jakobsmonat und Wärmemond waren frühere Namen. Im Juli beginnen die Hundstage, die bei uns meist die heißesten Tage im Jahr sind. Am 23. Juli geht im Sternbild Großer Hund der Sirius als hellster Fixstern am Nachthimmel auf. Während der Hundstage (vom 24. Juli bis 24. August) heiratete man nicht und nahm Abstand von größeren Unternehmungen.

Die Erntewagen wurden hergerichtet, denn die Tage im Juli stehen ganz im Zeichen der reifenden Früchte auf den Feldern und der jetzt einsetzenden Erntezeit. Am Jakobitag (25.) begann sie. Für diese anstrengenden Wochen, die sich bis in Herbst hineinzogen, wünschte sich der Bauer viel Sonne und Wärme. Dafür nahm man schon mal ein Gewitter in Kauf, wenn nur die Hagelkörner keinen Schaden anrichteten. ,,Juli schön und klar, gibt ein gutes Bauernjahr“. Doch stellt sich dieser Wunsch meist erst nach dem ersten Monatsdrittel ein.

Jetzt kann auch das Heu auf den höher gelegenen Bergwiesen eingefahren werden. Da mussten früher wieder alle Familien­mitglieder beim Wenden und Aufladen mithelfen. Der Flachs wird jetzt ebenfalls geerntet. Er wurde ausgezogen und auf der Flachsdörre getrocknet. Während im Tiefland um die Monatsmute schon die Getreideernte beginnt, zwingt die rauhere Witterung des Gebirges meist noch zum Warten. In Bauerngarten reifen jetzt die Johannis-, Him- und Stachelbeeren, am Monatsende auch die Süßkirschen.

Schwendtage sind im Juli der 19., 22. und 28.

 

Horch auf, wie Sans un Sichel klingt

sei lustig Lied dr Guli singt.

Nu dehnt de Wies sich unnern Hei,

un langsam fülln sich Schupp un Schei.

 

Blitz, Donner und Hagelschlag

 

Seit alten Zeiten rankt sich um die Gewitter, aus Angst vor ihnen, viel Aberglauben. Das Grollen des Donners und das Aufleuchten der Blitze verband man immer mit übernatürlicher, dämonischer oder göttlicher Macht. Donner, Blitz und Hagel- schlag waren allseits gefürchtet. Dass dies nicht unberechtigt war, zeigen vielerorts die Beispiele, wo der Blitz in Häusern und anderen Gebäuden einschlug, diese in Flammen aufgehen ließ und ganze Häuserreihen mit sich riss. Kaum ein Ort, in dem in vergangenen Jahrhunderten nicht auch ganze Straßenzüge zum Opfer fielen, die zu einem Dutzend und mehr, aneinander gebauten Holzscheunen, mit ihren eingelagerten Vorräten einbezogen. Dann war höchste Not.

Die damals technisch unvollkommenen Löschgeräte, machten die Menschen dabei zu ohnmächtigen Zuschauern. Um Ernteverluste durch Hagelschlag bangten die Bauern einst mehr, als vor Schäden durch die sommerliche Schafskälte, deren Kälteeinbruch um diese Zeit den Pflanzen kaum Schaden zufügen konnte.

Gegen die dämonischen Kräfte, die bei Unwettern am werk waren, suchte man wirksame Abwehrmittel.

Bis in das 20. Jahrhundert hinein gab es das Gewitterläuten. Dass man Böses mit Lärm und lautem Getöse vertreiben musste, war eine alte Oberzeugung. Also wurde bei nahendem Gewitter zur Warnung kräftig sturmgeläutet. Auf den Kirch- oder Rathaus­türmen mancher Gemeinden befand sich eine, extra zu diesem Zweck angeschaffte Wetterglocke, oftmals mit der Aufschrift „Das Ungewitter vertreibe ich“ versehen. Auch mit Trommeln und Pauken wurde Lärm zur Abwehr erzeugt.

Bis ins frühe Mittelalter geht der Brauch des Wetterläutens zurück. So ist bekannt, dass der Blitz im Jahr 857 in den Dom zu Trier einschlug und daraufhin zur Abwehr weiterer Gefahren die Glocken sturmgeläutet wurden. Die Merseburger Domglocke Clinsa  (Klingerin) aus dem Jahr 1151 ist die älteste bekannte Wetterglocke mit einer Inschrift in Latein trägt sie den Spruch: „Fern wenn Clinsa ertönt, sei Sturmwind, Feind und Feuer".

 

Im Hochmittelalter wurde es Brauch, an markanten Stellen auf Fluren, vor allem auf weithin sichtbaren Bergkuppen, Felsen und Hügeln große Wetterkreuze zu errichten. Man stellte der elementaren Gefahr das Kreuz als Sinnbild des Sieges Christi über die bösen Mächte entgegen. Einige davon wurden glücklicherweise bis heute erhalten.

Um Einschläge im eigenen Haus zu vermeiden, versuchte man es durch allerlei Vorsorgemaßnahmen zu schützen. Gegen Blitzschlag stellte oder hing man den Christbaum des vergangenen Weihnachtsfestes auf den Oberboden, oder Zweige von der „Weihnachtseck" wurden in die Bodenkammer gelegt. Auch ein Splitter von einem, vom Blitz getroffenen Baum, der im Haus versteckt wurde half oder auch zwei Ähren gekreuzt hinter den Spiegel gesteckt.

Ein am Johannistag ans Haus gehängter Kranz schützte ebenso, wie Holunderzweige, die am Karfreitag geholt und zwischen die Dachbalken gesteckt wurden. Der Blitz schlug auch dann nicht ein, wenn im Haus Schwalben oder Rotschwänzchen nisteten. Sogar eine schwarze Katze im Haus, tat den gleichen Dienst.

Aber auch, wenn das Gewitter schon da war, gab es noch Mittel, um die Gefahr zu bannen. Da musste man mit Wasser gefüllte Töpfe auf die Fensterstöcke stellen, Betten an die Fenster halten oder auch die Spiegel verhängen. Das von Weihnachten aufbewahrte Heiligabendlicht, das Neffenlicht oder auch ein Christbaumlicht wurde angezündet. Man brannte auch die Stubenlampe an, oder der Ofen wurde angeheizt und drei Kränzchen ins Feuer geworfen.

Man sagte; wer mit dem Finger nach dem Blitz zeigt, der zieht ihn an; zeigt man aber in die Richtung, nach der das Gewitter abzieht, holt man es zurück. Auch sollte man bei Gewitter nicht arbeiten oder sich verstecken, sonst fällt man von Gott ab, und wer bei Gewitter isst, hieß es, den erschlägt der Blitz.

Wenn es über der Baumblüte donnert, kommt ein fruchtbares Jahr, hoffte man. Donnert es aber im Frühjahr über den kahlen Zweigen, dann gibt es viele uneheliche Kinder.

 

August oder Erntemond

 

Erntemonat oder auch Ernting nannte man einst den Äugest, auch als Hitze- oder Schnittmonat wurde er bezeichnet. Diese Namen lassen den August als den wichtigsten Erntemonat erkennen. Die meisten Getreidesorten werden jetzt geschnitten. Der Hochsommer ist eine der wichtigen und schweren Zeiten im Bauernjahr. Man hoffte auf die Hitze der Hundstage, denn viel Regen im August hätte die Getreideernte gefährdet oder verdorben. "Ein trockner August ist des Bauern Lust“, sagte man, wenn auch die schwere Erntearbeit sicher nicht immer große Lust bereitete. Um den Monatsanfang toben oft heftige Gewitter, in denen man den Teufel ausgelassen tanzend vermutete.

Das mit der Sense oder auch mit der Sichel gemähte Getreide stand als Kornpuppen zum Trocknen auf den Stoppelfeldern. Auch die vor Einführung der Kartoffel vielfach angebauten Erbsen, mussten jetzt ebenfalls eingebracht werden.

Im Bauerngarten erntete die Bäuerin schon frühe Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren und Hülsenfrüchte. An den Obstbäumen reiften die Augustäpfel, Birnen, Pflaumen und Sauerkirschen. Trockenwarmes Augustwetter mit viel Sonne ist wichtig für den Fruchtzuckergehalt bei der Reifung der Früchte. Im Spätsommer ist dazu die letzte Chance.

Am Monatsende sind die Tage schon spürbar kürzer geworden. Bei klarem Himmel kühlt sich die Luft nachts deutlich ab, und die Wiesen sind am Morgen nass vom Tau. „Um die Zeit von Augustin (28.) gehe die warmen Tage hin“, weißt auf den zu Ende gehenden Sommer.

Schwendtage sind der 1., 17., 21., 22. und 29.

 

August is do, nu Wachtel zieh,

söll dusch net an de Baanle gieht!

In Komfald rauschts, de Sichel blinkt,

un Halm üm Halm ze Buden sinkt.

 

Jahrmarkt und Vogelschießen

 

Bis weit ins 20.Jahrhundert hinein konnte man in den Kalendern vollständige Terminangaben über die sächsischen und auch außensächsischen Märkte finden: Das zeigt, welche Bedeutung  die Jahrmärkte einst für die Städte und Marktorte hatten.

Märkte waren ein städtisches Privileg, ebenso wie das Braurecht und das Recht zur Ausübung von Handwerken. Sie haben eine lange Tradition. Im Mittelalter war eine Stadt ohne Markt kaum denkbar. Oft wurden die Märkte in Verbindung mit anderen Ereignissen, wie zum Beispiel bei Wallfahrten oder vor den hohen Feiertagen, abgehalten.

Mit interessanten Warenangeboten und zwölf geöffneten Bier­kellern, sowie freier Übernachtung in Heu und Stroh, lockte man die Auswärtigen in die Stadt. Mehr Einnahmen der Händler bedeutete ja auch mehr Geld für die Stadtkasse.

Ein alter Jahrmarktsbericht zählt die anwesenden Händler auf: Bürsten- und Besenhändler aus Stützengrün, Händler mit Bildchen und Patenbriefen aus Crottendorf, Bandhändler aus Annaberg, Schnupftobak-, Kräuter-, Wurzel- und Arzneihändler aus Bockau, Händler mit Schwefelfaden und Zunder aus Bernsbach, Händler mit Zinnlöffel aus Beierfeld, solche mit Nägeln und Zwecken aus Eiterlein.

Auch Auflagen wurden erteilt. So heißt es 1780:

 

Uebrigens ist allen zunftigen Meistern erlaubt, ihre Ware bey Jahrmärkten neben den Einheimischen feil zu haben, jedoch das solche zuvorhero von den Vormeistern beschauet und wenn erhebliche Fehler daran zu finden, solange in Verwahrung genommen werden, bis von jedem Stück ein Groschen in die Lade entrichtet worden.

 

Die Jahrmärkte zogen auch Arme und Kranke an. Diese, von der Gesellschaft Benachteiligten, stellten sich ein, um mit ihnen zugeworfenen Almosen, ihr ärmliches und dürftiges Leben ein

wenig zu verbessern.

Die Gründung der Schützengilden erfolgte im Erzgebirge hauptsächlich im 16. Jahrhundert, in der Zeit, als die Mehrzahl der Bergstädte des Obererzgebirges infolge der fündig gewordenen Silberadern aufblühten. Über Jahrhunderte hinweg wurden ihre Traditionen gepflegt. Besondere Höhepunkte waren die in den ersten Augusttagen von den Vereinen der Armbrust und Bogenschützen abgehaltenen Schützenfeste.

Über den Verlauf eines solchen Festes in der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts wird folgendes berichtet:

Nach dem angeschlagenen Wecksignal begann an einem Montag der 8 Uhr derAuszugzum Festplatz Diesen eröffnete der Zieler der einen großen hölzernen Vogel, einem Papagei ähnlich, auf seinen Schultern trug. Ihm folgten die Bolzenjungen, welche die Rüstungen ihrer Herren trugen. Hinter dem nun folgenden Musikchor schritt der vorjährige König des Hauptvogels, begleitet von zwei Ratsherren. Dann kam der König des Gesellenvogels, zwischen den beiden Schützenältesten, denen sich die Schützen mit zahlreichen Gästen anschlossen. Den Schluss des Zuges bildete eine Kompanie Freischützen.

Nach dem Abschuss des Gesellenvogels durch die jüngeren Herren begann von den 50er Jahren ab (gemeint um 1750), das Abschießen eines Sterns durch die Frauen. An den Königschuss am Dienstag schloss sich ein Festmahl an. Beim Einzug gingen die beiden neuen Könige, der des Hauptvogels reit einem großen Kranz aus Silber geschmückt, voran. An der Spitze der Frauen ging die mit einem großen Blumenkranz geschmückte Königin. Der Schützenball beendete das Fest.

 

Die Einlage für die Schützen des Hauptvogels betrug 1 1/2 Taler. Als Gewinne lockten 15 Taler (die der Landesherr stiftete), zinnerne Teller und eine Anzahl Flaschen Wein. Die Einlage beim Gesellenvogel betrug 20 Groschen.

Im Spätherbst wurde dann als Abschlussfest der Vogelkönigschmaus abgehalten.

 

September oder Herbstmond

 

Scheiding war einst eitle oft verwendete Bezeichnung für diesen Monat. Der Sommer muss scheiden, der Herbst zieht ins Land. Saumonat war ein weiterer Name für den September, denn die Wildschweinjagd begann. St. Michaelis, am 29. war von alters her ein wichtiger Lostag. Weit ins abergläubische gehende Gebote und Verbote entschieden über Wohl und Segen.

In die Zeit vom 20. bis 23. September fällt die Tagundnacht- gleiche des Herbstes. Danach werden die Tage deutlich kürzer und die Nächte länger. Doch gibt es auch noch warme Tage mit wenig Wolken. Gewitter sind im September selten. Kommen welche, dann zeigen sie warme Tage an, die dann den noch reifenden Früchten zu Gute kommen. Der Altweibersommer mit seiner beständigen Schönwetterperiode kommt in der zweiten Monatshälfte und dauert oft bis in den Oktober hinein.

Der Bauer wünscht sich den September feucht und warm, und gelegentlicher Regen ist willkommen. Für die kalte Jahreszeit prophezeit man „Regnets sanft am Michelstag (29.), sanft der Winter werden mag.

In den oberen Lagen musste die zweite Heuernte, das Grumet, noch eingebracht werden. Samenfrüchte, wie Lupinen und Wicken wurden abgeerntet. Der getrocknete Flachs wurde zur Röste ausgebreitet. Stalldung wurde auf die Felder gebracht, und je nach Örtlichkeit begann man mit der Wintersaat. Im Bauerngarten sind jetzt weitere Äpfel und Birnen reif, auch Bohnen und Kürbisse können geerntet werden. Die auf Bauernhöfen gern gesehenen Schwalben sammeln sich zum Abflug in den Süden.

Der September hat die meisten Schwendtage. Es sind der der 21., 22., 23., 24., 25., 26., 27. und 28.

 

Nu setz instand ne Kaller fei –

September brengt Ardäppeln rei,

derzu noch Obst, Korn un Brut -

do hots in Winter kaane Nut.

 

Erntezeit und Erntedank

 

Am Jakobitag, dem 25. Juli, begann die Erntezeit. Der heilige Jakobus hatte nach der Christianisierung die Stelle eines heidnischen Ernte- und Hirtengottes eingenommen. Mit der Einführung des gregorianischen Kalenders wurde dieser aus dem Mittelalter stammende Termin zehn Tage vorgerückt, sodass die Ernte nun früher begann.

Zum Erntebeginn gibt es ebenso wie zur weiteren Erntezeit zahlreiche überlieferte Bräuche. Aber auch im Vorfeld, bei der Aussaat, war schon einiges zu beachten. So durfte das Saatgut nicht während der Zeit der Rauhnächte (Internächte) vorbereitet werden. Bevorzugte Tage zur Aussaat waren der Mittwoch und der Sonnabend, den Freitag hingegen verwarf man. Als eine gute Tageszeit zum Säen galt die zwölfte Mittagsstunde.

Zum Erntebeginn sprach der Vormäher, einstmals der Bauer immer selbst, beim ersten Sensenhieb: „Das walte Gott". Damit wollte man vor Unfällen bei der Ernte geschützt sein. Die ersten Ähren, die erste Garbe galten als heilig. Auf die erste Garbe setzte man sich gegen Kreuzweh und Verwundungen. Warf man sie zuerst in die Scheune, hielt sie die Mäuse vom Getreide fern.

Bevor das erste Getreidefuder vom Wagen abgeladen wurde, drosch man die mit grünem Reisig geschmückte erste Garbe als Abschreckungsmittel gegen Hexen und böse Geister. Das Wogen des Getreides verband man damit, dass in ihm ein Dämon in Tiergestalt sein Unwesen treibe. Dieser flüchte bei Schnittbeginn aus einer Garbe in die andere. In der letzten würde er gefangen. Diese wurde mit Bändern geschmückt und unter lautem Jubel in die Scheune geworfen.

Auf das erste eingefahrene Fuder warf man einen Pfennig. Verschwand er im Stroh, so bedeutete das eine reiche Ernte. An das letzte Erntefuder wurden Kränze und Blumen gehängt. Die Erntehelfer setzten sich darauf und singend fuhr man durchs Dorf.

Am Abend des letzten Erntetages oder auch am Sonntag darauf gab der Bauer ein kleines Fest. „Stoppelhahn" wurde es genannt, und von manchem der Erntehelfer wurde es als schönstes Fest des Jahres angesehen.

Eine Ernteschüssel mit den größten Feldfrüchten, wie Kartoffeln, Rüben, Kraut und andere stand als Schmuck auf dem Tisch. Die größten Kornähren ragten daraus hervor. Nachdem der Bauer mit seiner Familie an der Festtafel Platz genommen hatte, wurden Klöße, Rinder- oder Schweinebraten und Sauerkraut aufgetragen, dazu gab es Bier und Schnaps, danach noch Kaffee und Kuchen. Die Mahlzeit wurde mit einem Gebet eröffnet und geschlossen.

Anschließend spielten meist einige Musikanten zum Tanz auf. Der Bauer eröffnete mit der Hausmutter den Reigen, dann folgten die Knechte und Mägde und auch die Erntehelfer mit ihren Frauen. Nach dem „Kehraus" bekamen letztere noch einen viertel oder halben Kuchen für ihre Kinder mit nach Hause.

Hatten alle Bauern der Gemeinde ihre Ernte eingebracht, so wurde am folgenden Sonntag das Erntefest gehalten. Dazu wurde die Kirche mit Blumen und Kränzen festlich geschmückt. Auf und neben dem Altartisch waren die schönsten Früchte in Körben aufgestellt. Getreidegarben standen zu beiden Seiten. An den kreuzweise durch die Kirche gezogenen Girlanden, hing die mit Ähren besetzte Erntekrone, und auch daheim in der Stube hing ein Erntekranz an der Decke über dem Esstisch. Dieser blieb bis zur nächsten Ernte hängen. Er sollte Glück und eine reiche Ernte im nächsten Jahr bringen.

 

Oktober oder Gilbhart

 

Gilbhart bedeutet reich an Gelbem. Doch ist der Oktober ein recht bunter Monat. Das sanfte Herbstlicht fällt auf die Vielfarbigkeit der Natur. Herbstmond oder Weinmonat sind weitere Bezeichnungen des Monats aus vergangener Zeit. Zwei Begriffe, welche leicht ihre Herkunft verraten. Die Namen weisen auf Eigenarten der Jahreszeit hin. Wer denkt dabei nicht an die Tage des goldenen Herbstes, an denen die Weinlese den Winzern in den Weingebieten die Fässer füllt.

Doch können in diesem Monat auch schon recht heftige Winde und Stürme wehen, welche die Blätter von den Bäumen fegen und die Straße entlang treiben. Der Morgennebel hält sich oft bis in den späten Vormittag und in den Gebirgslagen haben sich schon Nachtfröste eingestellt. Das Vieh ist von der Weide heimgekehrt. „An Sankt Gall (16.) bleibt die Kuh im Stall", heißt es dazu.

Die Kartoffelernte ist in diesem Monat die Hauptarbeit. Wer kennt nicht die Herbstfeuer auf den abgeernteten Feldern, womit das welke Kartoffelkraut verbrannt wird, und in dessen Glut Kartoffen gegart werden.

Ist alles eingebracht, feiert man das Erntefest. Die Kirche wird dazu mit Kränzen und Blumen geschmückt. Die schönsten und größten Früchte liegen in Körben vor und neben dem Altartisch. Eine Erntekrone hängt im Kirchenraum, und neben dem Altar stehen gebundene Getreidegarben. Der in der Bauernstube aufgehängte Erntekranz bleibt bis zur nächsten Ernte an seiner Stelle, er soll fürs kommende Jahr Glück bringen. Auch im Zeichen der Kirchweihfeste steht dieser Monat.

Schwendtage sind der 3., 6. und 11. Oktober.

 

s ward langsam kalt, un von dr Höh

kimmt rogewörbelt weißer Schnee,

dr alte Hirsch zieht sich zerück un

pfeift off Lieb un Liebesglück

 

Heut ist Kirmes

 

Für viele Bauern war die Kirmes früher das Hauptfest im Jahreslauf. Sie wurde vom Landvolk nach dem unmittelbar nach der eingefahrenen Ernte begangenen Erntefest, als Abschluss des gesamten bäuerlichen Wirtschaftsjahres gefeiert.

Waren die Früchte des Feldes eingebracht, das Getreide gedroschen und das Vieh blieb nun fern der Weide in den Ställen, so war für die Bauersleute das Ende der anstrengendsten Arbeitswochen gekommen. Jetzt konnte man sich nach monatelanger harter Arbeit mit einem Fest belohnen, man feierte die Kirmes.

Der im Winter jahreszeitlich bedingte Mangel am nötigen Futter für das Vieh, forderte im Herbst eine Verminderung des Tierbestandes auf den Bauerhöfen. Da gehörte das Sauschlachten, neben den zahlreichen anderen Tätigkeiten, gleich mit zu den Vorbereitungen zur Kirmes.

Ums Schweineschlachten kümmerte sich der Hausherr selbst. Und erst recht, hatte die Hausfrau ihre Pläne für das bevorstehende Fest. Mit gesammeltem Rahm fertigte sie die Kirmeskuchen und brachte sie zum Herausbacken zum Bäcker.

Doch auch viele andere Hände wurden schon lange vor dem Fest in Bewegung gesetzt. So war es einst im Erzgebirge üblich, dass sich die Kinder zur Kirmes neue Kleider, Hosen und Jacken wünschten, aber auch die jungen Mädchen und Burschen brachten den ortsansässigen Schneidermeister mit ihren zahlreichen Aufträgen und Wünschen oft in terminliche Schwierigkeiten. Die Botenfrau musste den jungen Mädchen, mehr als sonst, bunte seidene Bänder und andere Schmucksachen aus Annaberg mitbringen.

War der Kirmessonntag herangekommen, wurden am Morgen die noch schlummernden Einwohner mit Festgeläute vom Kirchturm geweckt. Die Glocken rufen zum Kirchweihgottesdienst. Festliche Kirchenmusik darf dabei an diesem Tag nicht fehlen.

Daheim treffen inzwischen etliche geladene Gäste zum Kirmesschmaus ein. Messer, Gabel und Löffel werden vorsorglich gleich selbst mitgebracht. Speisen und Getränke sind reichlich

vorhanden und man langt tüchtig zu. Nach Tisch machen die Männer Spaziergang. Auch die Kinder drängen nach draußen, um die Reitschule und die Buden auf dem Festplatz zu besuchen. Die Frauen bleiben daheim. Sie haben sich bei Kaffee und Kuchen ihre Neuigkeiten zu erzählen. Dazwischen kommen am Nachmittag die Kuchensänger in die Hausflur. Es sind verkleidete Kinder der Häusler und Hausgenossen. Sie singen und sagen Verse auf.

Im Ratskellersaal hat bereits um drei Uhr der Kirmestanz für die Jugend begonnen. Da kann man bei einem Glas Bier bis zum Abendessen zuschauen.

Gegen sieben Uhr geht es nach Hause. Die Hausmutter hat inzwischen den Tisch festlich gerüstet. Es gibt Rosinensuppe, gefolgt von Schweinefleisch mit Zwiebelbrühe, Schinken mit Sauerkraut, dann Karpfen mit Krautsalat und zuletzt wieder Kuchen. Nach aufgehobener Tafel sitzt man noch eine Weile zur Unterhaltung beieinander. Am späten Abend ziehen die Gäste, mit Kuchenpäckchen beladen, dankend heimwärts.

Am 2. Kirmestag, er war früher ein arbeitsfreier Feiertag, wurde das

üppige Essen und Trinken fortgesetzt. Diesen Tag feierte man in der Familie und ging gemeinsam zur Kirche, die an diesem Tag meist stärker besucht war, als am Sonntag. Am Abend erwartete man wieder Besuch oder ging zum Kirmestanz. Man konnte sich

Zeit lassen, denn am Dienstag gab es noch eine kleine Nachfeier, bis endlich am Mittwoch der Tagesablauf wieder im gewohnten Gleis verlief. Dann tröstete man sich mit dem nächsten Sonntag, da feierte man von den Resten noch die Kleinkirmes. Waren keine Reste mehr da, so wurde noch mal nachgefasst. Wen darf es da wundem, dass die Kirmes im Volksmund als „Fressfest" bezeichnet

November oder Nebelmond

 

Nebelung oder Wintermonat hieß er früher auch, der November. Nebelschleier überziehen im Spätherbst die Felder und Wiesen. Auch Wolfsmond wurde dieser Monat einst genannt, zu der Zeit, als die wildlebenden Wölfe in sehr kalten Novembernächten um die einsamen Gehöfte im Gebirge strichen und Beute suchten.

Die Erde ist oftmals schon hart gefroren, der Winter steht vor der Tür. Doch gehört der November noch zum Herbst, auch wenn er schon Schnee bringen kann. Aber es gibt Jahre, in denen es noch einmal ziemlich warm wird und sogar die Bäume zum zweiten Mal austreiben. Meist ist der November aber regnerisch und trüb. Den bunten Oktober hat der November in eintöniges Grau ver- wandelt. Die Sonne steht schon sehr tief und ist recht kraftlos. In diesem Monat mit seinem melancholischen Witterungs- Charakter gedenkt man am Ende des abgelaufenen Kirchenjahres der verstorbenen Seelen.

Die Felder sind nun abgeerntet. Krautköpfe und Rüben wurden als Letztes eingeholt. Die Erdscholle ist umgebrochen. Wenn alle Feldarbeiten abgeschlossen waren, ging der Bauer mit einigen Gehilfen daran, in den Scheunen das Getreide mit dem Dreschflegel zu dreschen. Die Frauen begannen den gedörrten Flachs zu brechen und weiter zu bearbeiten. Der restliche Dünger wurde auf die Felder gebracht und dort verteilt. War alles getan, gingen die Männer wieder in den Wald. Bäume wurden gefällt und Wurzelstöcke ausgegraben, bis die Einwinterung mit einer geschlossenen Schneedecke begann.

Schwendtag ist der 12. November.

 

November is, dr Naabel kimmt,

daars letzte bissel Sunn uns nimmt.

Doch aufgeschaut, un tu net kloong,

de Martinsgans hot meh ze troong.

 

Schicksalhafter Andreasabend

 

Einst warteten die jungen Mädchen im Erzgebirge sehnsüchtig auf den 30. November, dem Andreasabend. Der heilige Andreas genoss als Schutzpatron der Liebesleute vor allem bei der Jugend hohes Ansehen. So wurde dieser Tag zum Lostag, an dem Orakel befragt wurden. Als ich im Jungenalter war, machte ich in diesem Zusammenhang einmal eine interessante Beobachtung.

In der mondhellen Schneelandschaft sah ich ein paar junge Mädchen, die sich auf besondere Weise mit einem längeren Gartenzaun beschäftigten. Neugierig geworden, beobachtete ich dieses Treiben nun genauer. Da sah ich, dass die Mädchen mit den Schürzenzipfeln in der Hand, den Zaun entlang gingen, um ihn mit deren Spannweite abzumessen. Immer die gleiche Zahl an Latten, nahm das Schürzenmaß, bis am Ende ein Rest übrig blieb. Diese Latten wurden dann gezählt. Dabei lief alles still und ohne ein gesprochenes Wort ab.

Es war Andreasabend, und wie alljährlich wollte man, den Zauber dieser Losnacht nutzend, einen Blick in die Zukunft tun. Dabei wussten diese Mädchen, dass die Zahl der zum Schluss übrig gebliebenen Latten, auch die Zahl der Jahre bis zur Hochzeit bedeutet. Jetzt wusste man also, wie lange man noch warten muss. Welche Überraschungen mag es dabei gegeben haben! Doch damit war die Befragung von Orakeln an diesem Abend bei Weitem noch nicht erschöpft.

Auf dem Heimweg wurde dann an den Fensterläden der Häuser gelauscht. Man wünschte sich dabei etwas, und wenn bei der Unterhaltung in der Stube zuerst das Wort „ja" fiel, dann ging der Wunsch in Erfüllung, war ein „nein' zu hören, dann aber nicht.

Im eigenen Hausgarten wurden Strohkränzchen rückwärts, über die Schulter, auf einen Baum geworfen, der von einem Vorfahren gepflanzt sein musste. So oft das Kränzel herunterfiel, so viele Jahre musste das Mädchen auch hier auf den Zukünftigen warten. Ebenfalls recht beliebt war das Stochern mit einer langen Stange in den Hühnerstall.

Dazu sagte man:

Gackert dr Hah, krieg ich en Maa,

gackert de Heran, krieg ich kenn.

 

Im eigenen Garten oder auf Kreuzwegen klopften die Mädchen um Mitternacht mit Stangen an Bäume oder schüttelten sie mit der Hand. Dazu sprach man:

 

Liebes Bäumchen ich schüttle dich,

sende den, der liebet mich.

Und will Wich sich stellen,

so lass ein Hündchen bellen!

 

Die Gegend, aus der das Hundegebell kommt, gibt den Ort des künftigen Schatzes, oder auch den des eigenen Hausstandes an. Schon in den Tagen vorher hatten die jungen Mädchen altes Blei zusammengesucht. Seiner großen Beliebtheit entsprechend, sollte das Bleigießen, wie auch in der Thomas-, Christ- und Sylvesternacht der Höhepunkt des Abends werden. Ein alter Erbschlüssel musste dazu noch vorhanden sein. In einem Löffel, über eine Kerze gehalten, wurde das Blei geschmolzen und durch die Öffnung des Erbschlüssels in eine Schüssel mit kaltem Wasser gegossen. Dann rätselte man, was die so entstandenen Gebilde wohl bedeuten könnten. Oftmals wurden sie als Produkt oder Werkzeug eines bestimmten Berufes gedeutet, welchem der ersehnte Zukünftige angehörte. Vielleicht war er ein Bergmann oder ein Zimmermann oder auch ein Zweckenschmied.

Nach dem Bleigießen trieb man eifrig das Schuhwerfen. Mit dem Rücken zur Tür gewendet, wirft die Heiratslustige einen Pantoffel hinter sich und spricht dabei:

 

Schukel aus, Schukel ei,

wu war ibers Gahr ich sei?

 

Zeigt die Spitze in die Stube, kommt der Erwartete im nächsten Jahr ins Haus. Zeigt die Schuhspitze nach der Tür oder Zimmerwand, so gibt er die Gegend an, woher er kommen wird. Manches Mädchen beendete den Andreasabend auf ihre Weise. Im völlig dunklen Raum bestieg es rückwärts und ganz nackt die Bettkante und flüsterte dort stehend das Sprüchlein:

 

Bettbrett, Bettbrett, dich tret ich,

dich, Andreas, dich bitt ich,

lass die Nacht erscheinen

den Herzallerliebsten meinen!

 

Mit Phantasie und sicher oft vermischt mit dem Wunschdenken an den Auserwählten, konnte man in der Finsternis dann dessen Antlitz erkennen. Wer aber nichts gesehen hatte, der konnte es im nächsten Jahr und auch in den darauf folgenden immer wieder probieren.

Welchem Mädchen das noch nicht genügte, das sprach:

 

Ach lieber Herr Andreas mein

lass mir erscheinen den Herzallerliebsten meinen,

lass ihn erscheinen ohne lachen und weinen.

Soll ich leben mit ihm in Notstand,

so zeig ihn mir mit einem Glas Wasser in der Hand.

Soll ich leben mit ihm im Mittelstand,

so zeig ihn mir mit einem Glas Bier in der Hand.

Soll ich leben mit ihm im Wohlstand,

so zeig ihn mit einem Glas Wein in der Hand.

 

Dabei müssen die Worte andächtig und fehlerlos gesprochen werden, sonst trägt jeder Versprecher eine Ohrfeige von unsicht­barer Hand ein.

Die Methoden der Schicksalsbefragung waren recht vielseitig und örtlich verschieden. Da gibt es außer den angeführten Beispielen noch zahlreiche andere, wie das Schwimmerlassen von Nussschalen, das Salzhäufchensetzen oder das Pantoffelwerfen. Manche Brunnen zeigen auf ihrem Spiegelbild das Antlitz des Ersehnten, walten doch auch im Wasser geheimnisvolle Geister.

Wie kam es nun aber zu der Schicksalsbefragung gerade am Andreastag? In alten Zeiten beging man ihn als Jahresabschluss­abend. Am 1. Advent beginnt das neue Kirchenjahr. Da hoffte man in der Andreasnacht, wie heute zu Sylvester, einen Blick ins neue Jahr tun zu können.

 

Dezember oder Julmond

 

Christmond wurde der Dezember ebenfalls genannt und verrät uns dabei schon, dass in diesen Tagen das Christfest, das Weihnachtsfest begangen wird. Julmond ist ein Name aus alter, germanischer Zeit, als beim Julfest die Wintersonnenwende gefeiert wurde.

Das Jahr geht seinem Ende zu. Die langen Abende nach den kurzen Tagen laden zur Besinnlichkeit ein. Man ging „zu Rocken" und setzte sich zum Hutzenabend zusammen. Dabei wurde geklöppelt, gesponnen und die Männer schnitzten. Auch gesungen wurde dabei. Man stimmte sich, in Erwartung auf die schönste Zeit des Jahres, auf das bevorstehende Weihnachtsfest ein. Die Kinder warten auf den ersten Schnee, wenn sich nicht schon im Vormonat eingestellt hat.

Der Dezember stand im Zeichen mehrerer Losnächte, in denen man die Zukunft befragte. Den Reigen eröffnete der Andreastag am 30. November, an denen die jungen Mädchen ihre Heiratsaussichten erkunden. Ein schöner Brauch ist auch das Schneiden der Barbarazweige (4.12.), die in Wasser gestellt, mit etwas Glück, am Heiligen Abend ihre Blüten zeigen.

Das schon geschlagene Brennholz wurde vom Bauer aus dem Wald geholt. Konnte man nicht mehr mit dem Wagen fahren, dann musste der Pferdeschlitten her. Die gerodeten Baumstöcke wurden daheim zu Feuerholz zerkleinert. Bei ungünstigem Wetter gab es auch noch genügend andere Arbeit in Haus und Hof. An vielen Stellen musste etwas ausgebessert werden.

Unter dem wärmenden, schützenden Winterkleid schläft die Saat, bis sie der Frühling zu neuem Leben erweckt.

Der Dezember hat als einziger Monat keine Schwendtage.

 

Dezember brengt Bornkinnelzeit,

dr Heilge Ohmd is nimmer weit;

doch Gruß un Klaane, markt eich dos:

När waar racht folgt, daar kriegt awos!

 

Advent und Weihnacht

 

Mit dem ersten Adventssonntag beginnt das neue Kirchenjahr. Nach christlicher Tradition gilt die Adventszeit als eine „geschlossene Zeit". Öffentliche Tanzvergnügen waren einst untersagt. "St.Kathrein (25. 11.) stellt den Tanz ein“, hieß es. Dafür wurden gern die Adventsgottesdienste besucht. In Ehrenfriedersdorf wurde bereits um 1860 der Turm illuminiert und ein Transparent mit der Inschrift

„Gott segne unsere Stadt!" aufgestellt. Abends bliesen Musikanten dreimal wöchentlich das Feldgeschrei vom Turm in die Winternacht hinaus.

In Schneeberg gingen am Abend die Bergsänger mit Stangen­laternen und Zittern umher und sangen ihre bergmännischen Weihnachtslieder.

Einstmals war es Brauch, am 1. Advent ein brennendes Licht, am 2. zwei, am 3. drei und am 4. Advent vier Kerzen in der Hausflur aufzustellen. Heute künden in den Stuben Adventskränze und Adventssterne das bevorstehende Fest an, aus den Fenstern leuchten Schwibbögen. Den Markt ziert wieder der große Christbaum mit seinen Lichterketten zu dem sich in den letzten Jahrzehnten in den Erzgebirgsorten die Großpyramide mit ihren heimatverbundenen Figuren gesellt hat.

Unser Erzgebirge wird gern als Weihnachtsland betrachtet. Wird doch die Weihnacht hier von allen Festen des Jahreskreises am innigsten gefeiert. Dabei lässt es sich der Erzgebirger nicht nehmen, viele Dinge, die nach altem Brauch am Heiligen Abend nicht fehlen dürfen, selbst herzustellen. Und wenn der Vater das Weihnachtszeug herrichtet, möchte der Junge natürlich gern dabei sein. Es ist die Zeit der Erwartung, für die Kinder die Zeit der Vorfreude.

So beginnt mit dem ersten Advent für den Erzgebirger die Weihnachtszeit. Mit Schnitzen und Basteln wurden einst die Tage bis zum hohen Fest ausgefüllt, und im Wald suchte man das passende Moos für den Weihnachtsberg. Doch auch heute kommen die Schnitzer in ihrem Schnitzerheim zusammen und Frauen treffen sich zum gemeinsamen Klöppeln. Die Kinder aber, wünschen sich sehnlichst den Tag herbei, an dem sie das letzte Türchen Ihres Adventskalenders öffnen dürfen und die Kerzen statt vom Adventskranz, nun vom Christbaum strahlen.

Bis dahin erfreuen erzgebirgische Lichtträger als Vorboten der bevorstehenden Weihnacht in den Stuben Groß und Klein. Ge­drechselte -und geschnitzte Bergparade, Engele und Karrenden schmücken den Raum, und das „Raachermannel" sorgt dafür, dass auch die Nase von der vorweihnachtlichen Stimmung nicht ausgeschlossen wird.

Doch nicht alle Weihnachtsfiguren stehen schon im Zimmer, nur einige, eben die Vorboten. Der weitaus größere Teil geduldet sich noch in Kartons auf dem Oberboden, bis dann kurz vor dem Christfest die gesamte Schar auch den letzten freien Platz in der „guten Stub" ausfüllt.

Durch die abendlichen Gassen zieht die Karrende. Einige der Kinder mit einer Laterne, ein größerer Junge trägt einen Stern. An ruhigen Stellen hört man nun wieder die alten Adventslieder und weihnachtliche Weisen.

Schon aus dem 16. Jahrhundert berichten Einträge in alten Kantoreiakten, dass Sternsinger oder „denen Schulknaben, so mit dem Stern herumbzogen, 6 Groschen ausgezahlt wurden. Stimmungsvolle Weihnachtsmärkte beleben in der Adventszeit die erzgebirgischen Städte und auch auf Dörfern trifft man sie in unserer Zeit an.

Zu der Zeit, als die Straßen noch nicht mit hellen Lampen beleuchtet waren, stellte man gern seine „Peremett" ans Fenster, damit sie von den Vorbeigehenden bewundert werden konnte. Auch selbst gebastelte Lichterhäuschen und Kirchen, deren Fensteröffnungen mit buntem Papier verklebt waren, konnte man abends beleuchtet an den Fenstern sehen.

In vielen Stuben bewunderte man früher die „Eck", den Weih­nachtsberg. Oft von einer Generation zur andern vererbt, war sie einst zum Weihnachtsfest der Stolz der Familie.

Am Heiligabend steht abends pünktlich sechs Uhr das „Neinerlaa " auf dem Tisch. Neun verschiedene Speisen bringt die Mutter zum gemeinsamen Mahl aller Familienmitglieder auf den Tisch, und jedes hat seine Bedeutung. Beginnt das Läuten vom Kirchturm, holt der Vater mit einem Holzspan Feuer aus dem Ofen und zündet damit das „Heilig-Ohmd-Licht" an. Das darf den ganzen Abend nicht gelöscht werden und steht auf einem alten, ererbten Leuchter.

Nach alterzgebirgischem Brauch fand die Bescherung einst am ersten Feiertag früh statt, in unserer Zeit, wie in den meisten deutschen Gegenden, am Heiligabend, nach dem Festessen. Der Rupperich kam früher nur zu den kleineren Kindern. Für sie war das der Höhepunkt des Festes. Doch einstmals waren die Geschenke von bescheidenster Art. Das Nötigste, was an Kleidung gebraucht wurde, lag auf dem Gabentisch und höchstens für die Kinder noch ein billiges Spielzeug. Heutzutage werden vom „Bornkinnel“ alle bedacht.

Nach altem Volksglauben gehört der Heilige Abend zu den Losnächten, in denen man durch geheimnisvollen Zauber das Dunkel der Zukunft entschleiern kann. „Heit is der Heilge Ohmd, ihr Maad, kommt rei mer gießen Blei!",  beginnt das erzgebirgische „Heiligohmdlied" und weist uns darauf hin. Doch hat sich in unserer Zeit das Bleigießen mehr auf den „Neigahrsheiligohmd“, den Sylvesterabend verlegt.

Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein waren Stube und Hausflur mit Stroh ausgelegt, das während der gesamten Zeit der heiligen Zwölfnächte liegen blieb. Es sollte an den Stall von Bethlehem erinnern. Um die Christmetten am zeitigen Morgen nicht zu verschlafen, ging man in der Christnacht gar nicht erst ins Bett, sondern legte sich gleich in dieses Stroh auf den Dielenbrettern.

Die Christmette beginnt noch heute um fünf Uhr in der Nacht. Von Glocken und Posaunenbläsern wird die Kirchgemeinde zu diesem Höhepunkt der erzgebirgischen Weihnacht gerufen. In Schneeberg tönen ab vier Uhr vom Turm der Sankt Wolfgangskirche Weihnachtslieder herab. Die Bergbrüderschaft hat das Haldensingen schon um drei Uhr begonnen.

Aus allen Richtungen sieht man die leuchtenden Mettenlaternen zur Kirche ziehen. Pferdeschlitten bringen die weiter entfernt wohnenden Bauern heran. Mit aufgelegten wärmenden Decken harren die Pferde geduldig in der kalten Winternacht.

Unzählige Kerzen erhellen heute das Kirchenschiff und die Emporen. Bis auf den letzten Platz ist das Gotteshaus gefüllt. Alte und junge Besucher erleben die Christmette mit ihren schönen Weihnachtsliedern, der gesungenen Weissagung und dem alten, überlieferten Krippenspiel.

Blickt man auf dem Heimweg von einer Anhöhe über glitzernde Schneefelder hinab, hat man die Städte und Dörfer wie einen riesigen Weihnachtberg vor sich. Aus den Fenstern strahlt Lichterschein.

Nach den Metten wird der Stollen angeschnitten, bei manchen Familien auch schon vorher, in der Christnacht. Als besonderes. Weihnachtsgebäck gehören die Christstollen zum Fest, wie Bergmann und Engel und alle anderen gebirgischen Weihnachts­traditionen. Seit Jahrhunderten trägt der Weihnachtsstollen zur Festtagsfreude bei. Er wird zum ersten Mal 1329 in Nauenburg erwähnt, als dort der Bischof zwei Riesenstollen als Zins erhielt. 1457 wird ein Christstollen erstmals in der Küche des Schlosses Hartenstein hergestellt und 1571 bezeugt Pfarrer Winzer in Wolkenstein das Vorkommen von Stollen bei Christbescherungen. Auf seinen Weihnachtsstollen hat der Erzgebirger in den schlechtesten Zeiten nicht verzichtet, wenn dafür auch so manches Opfer gebracht werden musste.

An den Feiertagen oder in der darauf folgenden Woche, geht es zum Stollenkosten zu Verwandten und Bekannten, und man erwartet man aus diesem Grund auch selbst Besuch.

So manchen in der Fremde weilenden Erzgebirger zieht es zum Weihnachtsfest in die Heimat zurück. Wird doch kaum in einer anderen Gegend dieses Fest in diesem schönen, festlichen Glanz gefeiert wie hier.